Beerensträucher im Kübel überwintern

Beerensträucher im Kübel überwintern

Wieviel Pflege brauchen Sie im Schlaf? Nicht viel, eigentlich keine aktive Betreuung, aber der Ort und das Klima sollten schon stimmen. Sonst fühlen Sie sich unwohl, wachen immer wieder auf und irgendwann verlieren Sie die Geduld und öffnen das Fenster.

Ganz ähnlich ergeht es den Beerensträuchern, wenn sie überwintert werden wollen und sollen. Eigentlich brauchen sie nicht viel, aber gerne haben sie – wie wir auch – stabile Verhältnisse, keine zu großen Temperaturen- und andere Klimaschwankungen, damit sie in Ruhe weiterschlafen können…

Was heißt das jetzt aber konkret für die Beerenpflanzen, für Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und andere Beeren im Kübel?

  1. Wasser: Die Pflanzen wollen feucht und nicht nass gehalten werden. In vielen Gegenden Mitteleuropas sind die Winter ziemlich niederschlagsreich; das heißt, wir stellen die Beerenkübel am besten an einen geschützten, gedeckten Platz, wo wir die Niederschläge kontrollieren bzw. selber auslösen können. Untersetzer und ähnliches sind natürlich verboten, wer schläft schon gerne mit den Füssen im Wasser. Alle zwei Wochen kontrollieren wir mit dem Finger die Feuchtigkeit: Wenn fingertief alles ausgetrocknet ist, muss leicht nachgegossen werden.
  2. Temperatur: Um es gleich vorwegzunehmen: Ich schlafe kalt, liebe eine kühle Schlafzimmertemperatur, habe aber nichts dagegen, wohlig von einer Decke eingehüllt zu sein. Auch die Beerensträucher lieben über den Winter einen kühlen und beschatteten Ort. Direkte Sonneneinstrahlung führt schnell zu einer pflanzlichen Frühlings-Fata-Morgana: Sie meinen, es sei schon Zeit, die Vegetation zu starten, sie wechseln Stärke zu Zucker, aber dieser kann noch nicht gebraucht werden und richtet dann als Alkohol Schaden in der Pflanze an. Die meisten Beerenpflanzen, außer einige halbimmergrüne Heidelbeeren wie Sunshine Blue, Bluedrop und Pinkbeere brauchen den Winterschutz gegen die Kälte eigentlich nicht. Wenn sie allerdings nicht an einen schattigen Ort gebracht werden können und an sonnigen Wintertagen zu warm stehen, isolieren wir sie gegen die Wärme und gegen die Wintersonne. Die Pflanze mit ins Haus zu nehmen, ihr damit vermeintlich etwas Gutes zu tun, ist natürlich lieb gemeint, führt aber bei der Pflanze zu falschen und trügerischen Frühlingsgefühlen. Das bekommt bekanntermaßen auch uns Menschen nicht allzu gut.
  3. Schneiden: Gerade die Lowberry®-Himbeeren und Lowberry®-Brombeeren müssen zurückgeschnittenen werden, ideale Höhe 20-30 cm. Aus diesen Trieben entstehen im Frühling erste Seitentriebe, die dann schon im Juni und Juli fruchten werden. Die von Grund auf neu wachsenden Ruten werden dann ca. einen Monat später, im Juli und August, die ersten reifen Früchte bringen. Geschnitten wird aber erst kurz vor Vegetationsbeginn, also dann, wenn Sie und die meisten Pflanzen wieder den Frühling spüren (zur Zeit der Forsythienblüte). Ein früherer Schnitt, ev. schon im Herbst, nimmt der Pflanze die dringend benötigten Reserven weg und der Gärtner vergibt sich die Möglichkeit, im Frühling auf allfällige Winterschäden (zurückgetrocknete Triebe etc.) reagieren zu können. Sehen Sie es vielleicht so: Wir ziehen der Pflanze mit dem Schneiden die Kleider aus. Das sollten wir nur tun, wenn wir sicher wissen, dass der Frühling vor der Türe steht und nicht noch mit harten Wintermonaten zu rechnen ist.