Gartentipp: Pflanzen veredeln Wie du dein Fruchtgemüse robuster und ertragreicher machen kannst

Das Veredeln von Pflanzen ist ein traditionelles Mittel, um Pflanzen auf künstliche Weise einerseits zu vermehren und andererseits robuster und widerstandsfähiger zu machen. Dabei wird ein Pflanzenteil mit einem anderen Pflanzenteil verbunden – im medizinischen Jargon würde man von einer Transplantation sprechen.

Edelsorte und Unterlage: Ein starkes Duo

Bei der Veredelung von Pflanzen unterscheidet man zunächst einmal zwischen der Edelsorte und der Unterlage:

  • Als Edelsorten werden Pflanzen bezeichnet, die Früchte oder Blüten bilden und oftmals eine gute Widerstandsfähigkeit gegenüber Blattkrankheiten aufweisen.
  • Als Unterlagen werden spezielle Sorten oder robuste Wildarten verwendet, die besonders resistent sind gegenüber Bodenschädlingen (zum Beispiel Wurzelpilze, Nematoden und Viren) oder bestimmte Wachstumseigenschaften aufweisen.

Bei der Veredelung wird die Edelsorte auf die Unterlage aufgesetzt, sodass die beiden Pflanzen ein gemeinsames, kräftiges Wurzelsystem ausbilden und zu einer besonders widerstandsfähigen und fruchtbaren Einheit zusammenwachsen.

Wichtig für ein gesundes Wachstum: Ein kräftiges Wurzelwerk

Für ein gesundes und kräftiges Wachstum benötigen Pflanzen ein gut ausgeprägtes Wurzelsystem. Dieses muss in einem angemessenem Verhältnis zur Blattmasse und zum Fruchtbehang stehen, um alle Pflanzenteile gut versorgen zu können.

Als feste Verbindung zum Boden stellen Wurzeln zum einen sicher, dass die Pflanze ausreichend Halt und Stabilität besitzt. Zum anderen versorgen sie die Pflanze aber auch mit Wasser und zahlreichen Nährstoffen, die für ein gesundes Wachstum und eine gute Widerstandsfähigkeit benötigt werden.

Ausgehend von dem Wurzelwerk der Pflanze werden die wertvollen Nährstoffe durch den Stängel bzw. Stamm zu den Blättern, Blüten und Früchten weitergeleitet. Die Blätter wiederum bilden dann im Rahmen der Fotosynthese Zucker, Eiweiße und andere Assimilate, mit denen weitere Pflanzenteile versorgt werden können.

Welche Pflanzen können veredelt werden?

Eine Veredelung ist vor allem bei Gehölzen sehr verbreitet. Beispielsweise werden Obstgehölze und Ziergehölze oftmals auf schwach wachsende Unterlagen ausgesetzt, um ihr starkes Wachstum einzudämmen. Rosen werden hingegen vor allem auf kräftige und robuste Wildarten gesetzt, welche als Unterlage dann die widerstandsfähigen Wurzeln der Pflanze ausbilden. Beim Veredeln von Hochstammrosen bildet die Wild-Unterlage sogar den Stamm der Pflanze.

Neben Gehölzen können auch einige Gemüsesorten veredelt werden. Bei diesen Sorten handelt es sich stets um Fruchtgemüse: Tomaten, Auberginen, Gurken und Paprika eignen sich für eine Veredelung. Die Edelsorte wird dabei auf eine spezielle Unterlage aufgesetzt, die die Pflanze vor schädlichen Bodenkrankheiten schützen soll. So kann das Fruchtgemüse kräftig heranwachsen und zahlreiche leckere und saftige Früchte ausbilden.

Tomaten, Auberginen und Paprika veredeln

Tomaten veredeln

Tomaten

Auberginen veredeln

Auberginen

Paprika veredeln

Paprika

Als Unterlage zum Veredeln von Tomaten werden insbesondere Wildsorten oder speziell gezüchtete Sorten gewählt, die eine hohe Robustheit gegenüber Korkwurzelkranheiten, Fusarium-Welke, Verticillium-Welke, Weißstängeligkeit, Nematoden und Viren aufweisen. Sie schützen deine Tomaten somit vor zahlreichen schädlichen Einflüssen, was sie gerade bei kalter Witterung ertragreicher als unveredelte Sorten macht. Veredelte Stabtomaten lassen sich zudem sogar zweitriebig aufziehen und ermöglichen dir dadurch eine besonders ergiebige Ernte.

Mit den Unterlagensorten, die bei der Veredelung von Tomaten zum Einsatz kommen, kannst du auch deine Auberginen veredeln. Die Auberginen weisen in veredelter Form ebenfalls eine bessere Schädlingsresistenz auf und sind dadurch ertragreicher.

Paprika können zwar auch veredelt werden, allerdings wird das eher selten gemacht. Als Unterlage können spezielle Chilisorten oder Cayennepfeffer genutzt werden, welche die Paprikapflanzen wegen ihrer guten Resistenz gegenüber der Korkwurzelkrankheit, Stängelgrundfäule, Nematoden und verschiedene Viren robuster werden lassen. Veredelte Paprika sind zudem auch weniger empfindlich gegenüber Kälte.

Kopfveredelung bei Tomaten, Auberginen und Paprika: So geht’s!

Bei Tomaten, Auberginen und Paprika findet die sogenannte Kopfveredelung Anwendung. Voraussetzung dafür ist, dass die Stängel deiner Unterlage und deiner Edelsorte gleich dick sind.

Schritt 1: Für gleich dicke Stängel sorgen

Die Keim- und Wachstumszeiten der Unterlage und Edelsorte sind nicht immer gleich lang. Um für gleich dicke Stängel zu sorgen, musst du gegebenenfalls beide Pflanzen zeitversetzt aussäen. Die Tomatenunterlage ‚Estamino‘ muss zum Beispiel 5 bis 7 Tage vor der zu veredelnden Tomatensorte ausgesät werden. Willst du ‚Estamino‘ hingegen zur Veredelung von Auberginen nutzen, solltest du die Unterlage ca. 5 Tage nach den Auberginen aussäen.

Schritt 2: Stängel abschneiden

Tomaten veredeln

Sind beide Pflanzen ausgesät worden und genügend herangewachsen, kannst du im nächsten Schritt mit einem sauberen und scharfen Messer sorgsam die Stängel abschneiden. Der Schnitt erfolgt bei der Unterlagensorte unterhalb der Keimblätter, da diese die Knospen für ein neues Austreiben enthalten. Die Edelsorte wird hingegen oberhalb der Keimblätter abgeschnitten. Hier sollte der Schnitt zudem dort erfolgen, wo der Trieb der Edelsorte den gleichen Durchmesser wie die Unterlagensorte an ihrer Schnittstelle aufweist.

Letztlich ist es wichtig, dass die beiden Schnittflächen der Edel- und der Unterlagensorte genau aufeinander passen und somit möglichst viel Kontakt zueinander herstellen können. Achte deshalb unbedingt auch darauf, dass die Stängel beim Abschneiden nicht gequetscht werden.

Schritt 3: Edelsorte auf die Unterlage setzen und verbinden

Tomaten veredeln

Zur Veredelung wird schließlich die Edelsorte auf die Unterlage gesetzt. Die beiden Schnittstellen werden dann mit einem speziellen Silikonclip verbunden. Zusätzlich solltest du einen Stab zur Stabilisierung anbringen und die frisch veredelte Pflanze in ein Kleingewächshaus mit hoher Luftfeuchtigkeit stellen. In den ersten Tagen empfiehlt es sich, eine direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Die Veredelung der Pflanze sollte nach etwa einer Woche abgeschlossen sein. Danach kannst du deine Tomaten, Auberginen oder Paprika ganz normal weiter kultivieren.

Gurken veredeln

Gurken veredeln

Gurken lassen sich gut mit Feigenblattkürbissen veredeln.

Wenn du deine Gurken veredeln möchtest, bietet sich der Feigenblattkürbis (Cucumis ficifolia) als Unterlage an. Diese Unterlagensorte zeichnet sich vor allem durch ihre gute Kälteresistenz und durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber der Fusarium-Welke und Stängelgrundfäule aus. Zur Veredelung kannst du den Feigenblattkürbis direkt mit der Gurke ansäen. Manchmal wartet man mit der Kultivierung des Feigenblattkürbisses jedoch auch noch weitere 3 bis 4 Tage, da diese Pflanze ihren sehr kräftigen Stängel schnell ausbildet.

Ebenso eignen sich aber auch spezielle Moschuskürbisse oderMischungen aus Moschuskürbissen und Riesenkürbissen als Unterlage zum Veredeln von Gurken. Diese Unterlagen solltest du aufgrund ihres eher schwachen Wachstums bis zu 3 Tage vor deinen Gurken ansäen.

Gurken Schritt für Schritt im Gegenzungen-Verfahren veredeln

Gurken werden nicht wie Tomaten, Auberginen oder Paprika per Kopfveredelung veredelt, sondern im Gegenzungen-Verfahren. Sobald du deine Gurken- Kürbispflanzen zusammen in einen 10er oder 12er Topf gepflanzt hast, kann es damit losgehen. Achte beim Einpflanzen aber unbedingt darauf, dass du die wertvollen Wurzeln der Pflanzen nicht beschädigst.

Schritt 1: Stängel einschneiden

Gurken veredeln

Im nächsten Schritt schneidest du den Stängel der Unterlage schräg von oben nach unten ein. Der Schnitt sollte bis zur Hälfte des Stängels reichen und auf derjenigen Seite platziert werden, welche zur benachbarten Gurkenpflanze zeigt. Umgekehrt wird der Stängel der Gurke von unten nach oben eingeschnitten. Dieser Schnitt sollte auf gleicher Höhe wie beim Unterlagenstängel enden und auf derjenigen Seite erfolgen, die zur benachbarten Kürbispflanze zeigt.

Schritt 2: Schnittflächen vorsichtig ineinanderschieben und fixieren

Gurken veredeln

Hast du die Schnitte sorgsam ausgeführt, kannst du anschließend die beiden Schnittflächen vorsichtig ineinanderschieben. Um die Verbindung zwischen den beiden Pflanzen möglichst stabil zu halten, können spezielle Klammern zur Fixierung und als Stütze verwendet werden. Zusätzlich solltest du den Topf mit der veredelten Pflanze vor direkter Sonne und damit vor zu hoher Verdunstung schützen.

Schritt 3: Stängel abschneiden

Gurken veredeln

Mittels dieses Gegenzungen-Verfahrens sollten deine Pflanzen nach etwa 8 bis 10 Tagen miteinander verwachsen sein. Abschließend musst du den Stängel der Edelsorte unterhalb der Verbindung und der Stängel der Unterlage oberhalb der Verbindung abschneiden. Danach kann deine veredelte Gurkenpflanze ganz normal weiter kultiviert werden. Bei ausreichend hohen Temperaturen kann sie auch einen Platz in deinem Beet einnehmen.

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