Der eigene Gemüsegarten

Kribbelt es dich auch schon seit längerer Zeit in den Fingern und du hegst den Wunsch nach selbstgeerntetem Gemüse? Dann bist du nicht alleine, denn der eigene Anbau von Gemüse hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Erwacht aus dem Dornröschenschlaf hat der Nutzgarten auch vielfältige Formen bekommen. Denn die Gestaltung ist frei, alles ist erlaubt und nur noch der eigene Geschmack zählt – abgestimmt mit den Bedürfnissen der Pflanze. So wachsen munter Radieschen aus Milchtüten, mitten in der Stadt wird Salat geerntet oder der Bauer stellt seinen Acker für erste Ernteerfahrungen zur Verfügung.

Welcher Nutzgarten-Typ passt zu mir?

Gärtnern im Quadrat

Für Anfänger lohnt es sich, mit dem Gärtnern im Quadrat anzufangen, denn es können so erste Erfahrungen mit einer neuen Leidenschaft gemacht werden, ohne dass es in Frust oder Überforderung endet. Dazu wird ein kleines Rechteck von 90-120 cm Seitenlänge aus Brettern gebaut und in 30 cm große Quadrate unterteilt. Mit guter Pflanzenerde gefüllt, kann dann jedes Quadrat mit bis zu 5 Pflanzen einer Gemüseart bepflanzt oder besät werden. Vorteile: Du hast zu Anfang eine überschaubare Fläche, die du bearbeiten musst, und auch nur wenige Arten, mit deren Bedürfnissen du dich bekannt machen musst. Da die Beete mit guter Erde direkt von dir befüllt werden, kannst du unabhängig von deinem Gartenboden gärtnern. Nachteil des begrenzten Platzes ist eine geringere Sortenvielfalt, außerdem ist diese Form des Gärtnerns für Gemüse mit langen Kulturzeiten, wie Rosenkohl oder Kartoffeln, nicht so gut geeignet.

Gärtnern im Quadrat-Salat und Gurken - © SPERLI
Gärtnern im Quadrat-Mischpflanzung - © SPERLI

Der traditionelle Gemüsegarten

Für reiche Ernte musst du einen traditionellen Gemüsegarten anlegen. Ob dies nun der Schrebergarten oder eine Fläche in deinem Hausgarten ist, ist dabei egal. Der traditionelle Gemüsegarten besteht aus langen rechteckigen Beeten oder Parzellen von 1 m Breite und ist ganz auf Funktionalität und einfaches Arbeiten ausgelegt. Die Wege zwischen den Beeten sollten schubkarrenbreit angelegt sein. Deine Vorteile liegen hier auf der Hand: Du hast eine optimierte Fläche, wo kein Platz verschenkt wird. Du kannst jedes Gemüse anbauen und erreichst unter guten Bedingungen maximale Erträge. Aufgepasst: In der kalten Jahreszeit sieht dieser Gartenbereich weniger ansehnlich aus, und wegen seiner Größe muss der Garten regelmäßig und mehrmals in der Woche umsorgt werden.

Wenn du zu den Menschen mit wenig Zeit zählst, ist ein Nutzgarten nach dem Prinzip eines Kloster- oder Bauerngartens genau das Richtige für dich. Hierbei werden Gemüse und Blumen in bunten Beeten gemischt angepflanzt. Somit ist der Nutzgarten kein eigener Gartenteil mehr, sondern wird in den Garten integriert. Von Vorteil ist, dass diese Form der Mischkultur weniger Schädlingsbefall mit sich zieht, denn die zahlreichen Blumen locken Nützlinge an, die dann die Schädlinge in Schach halten. Sie lässt sich auch in kleinen Gärten gut praktizieren. Allerdings musst du dir schon sicher bei der Sortenauswahl sein, denn nicht jedes Gemüse verträgt die Nachbarschaft zu Blühpflanzen, was zu geringeren Ernteerträgen führen kann.

Wie groß sollte der Gemüsegarten sein?

Die Größe deines Gemüsegartens richtet sich nach der Anzahl der Personen, die du damit versorgen willst, den Ernteerträgen, die du erzielen willst und der Zeit, die du mit Gartenarbeit verbringen willst. Deswegen plane den Gemüsegarten genau nach deinen Bedürfnissen und deiner zur Verfügung stehenden Zeit, damit du auch Spaß und Freude an ihm hast.

Gartenarbeitszeit – wie viel Zeit muss ich aufbringen?

Die Gartenarbeit für das Anlegen, Bestellen und Pflegen der Beete fällt in jeder Jahreszeit anderes aus. Pro Gemüseart fallen ca. 30 min/m² im Jahr an.

Frühjahr: In dieser Zeit wird der Boden vorbereitet, im März-April wird gesät und im Mai-Juni ist dann Pflanzzeit.

Sommer: Hier wird hauptsächlich gewässert und geerntet/verarbeitet.

Herbst:    Im Zeitraum Oktober-November werden die restlichen Ernten eingebracht und der Boden bearbeitet.

Winter:    Diese Zeit wird genutzt, um die kommende Frühjahrssaison zu planen und den Erntevorrat zu genießen.

Was ist die passende Gartengröße für meine Bedürfnisse?

Wenn du mit einem Gemüsegarten anfangen willst, dann reichen ca. 50 m² pro Person aus. So hast du eine ideale Fläche, um das Gemüsegärtnern zu erlernen und einen guten Teil deines benötigten Gemüses selbst heranzuziehen. Je größer der Garten wird, desto mehr Zeit musst du einplanen und desto höher werden die Anforderungen an dein gärtnerisches Wissen.

Um eine vierköpfige Familie zu versorgen, sollte der Gemüsegarten ca. 200 m² groß sein. Hier musst du dann mit mindestens einem halben Tag Pflege pro Woche in der Zeit von März bis Juni rechnen und im Herbst etwas mehr als ein Wochenende einplanen.

Möchtest du aber dich und deine Familie das ganze Jahr über aus dem Garten versorgen und vielleicht noch einen Vorrat anlegen, dann musst du mit 80 m²/Person rechnen.
Bedenke aber, dass dir so ein Projekt viel Zeit und Mut abverlangt, denn du musst für die Pflege deines Gemüsegartens von März bis Juni einen vollen Tag in der Woche und im Herbst zwei bis drei Wochenenden einplanen.

5 gute Gründe für einen Gemüsegarten

  1. Nur selbst gezogenes Gemüse kannst du voll ausgereift genießen. Schon mal den Unterschied geschmeckt? Deine Geschmacksknospen werden sich freuen.
  2. Du kannst eine schiere Vielfalt an Sorten probieren, die es im Supermarkt nicht zu kaufen gibt.
  3. Gartenarbeit ist gut für die Fitness und die gute Laune.
  4. Es ist die schönste Art, deinen Kindern etwas beizubringen und sie vielleicht mehr zum Gemüseessen zu bewegen.
  5. Du isst Gemüse passend zur Saison. Und das hat die Natur ideal eingerichtet. Rechtzeitig zur nasskalten Jahreszeit, wo Erkältungskrankheiten schon fast an der Tagesordnung sind, steht z. B. die Ernte von Kohl auf dem Programm, der reich an Vitamin C ist und somit deinen Körper stärkt und unterstützt.

Wie lege ich einen Gemüsegarten an?

Das Anlegen eines Gemüsegartens sollte nach praktischen Gesichtspunkten erfolgen, denn du musst darin zu jeder Jahreszeit gut arbeiten können. Also achte auf einen Standort, der für dich bequem erreichbar ist und an dem du dich frei bewegen kannst, wenn du die anfallenden Gartenarbeiten verrichtest.

Des Weiteren musst du im Vorfeld deiner Standortwahl die Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner bedenken. Ohne Sonne keine Ernte: Die meisten Gemüsearten brauchen vier bis fünf Stunden Sonne am Tag. Auch Wasser spielt eine große Rolle. Die Beete sollten möglichst eben sein und einen Wasseranschluss in Reichweite haben.

Sobald du den Umriss und die Größe im Garten mit Stöcken und einer Schnur markiert hast, kannst du mit der Bodenbearbeitung anfangen. Wenn du einen schweren Gartenboden hast, dann verrichte diese Arbeiten im Herbst, bei leichten Böden im Frühjahr Während des Umgrabens kannst du bereits unliebsame Kräuter und Steine aus deinem Beet entfernen. Wenn dein Gartenboden sehr lehmig ist, dann arbeite eine Schubkarre Kompost oder Mist pro 4 m² Fläche ein. Im Frühjahr hast du dann eine feinkrümelige Erde, die du nur noch einebnen und mit der Harke vorbereiten musst. Und dann kannst du das Wunder säen, beim Wachsen bestaunen, ernten und mit allen Sinnen genießen.

Wir wünschen dir nun viel Spass!